Customer-Centricity-kompatible Geschäftsmodelle

Denkt man den Customer-Centricity-Gedanken weiter, kommt man zu dem Punkt, an dem man auch derzeitige Geschäftsmodelle hinterfragen muss. Müssen nicht auch hier neue Ansätze gefunden werden, die am Interesse des Kunden ausgerichtet sind? Wie kann es z.B. sein, dass Apple Preise für iPhone über lange Zeiträume festsetzt und damit auf Kosten der Kunden Milliarden verdient? Kann den großen Plattform-Anbietern aus den USA etwas entgegengesetzt werden? Wir haben uns drei mögliche Modelle angeschaut – u.a. das ganz neu vorstellte „SmartWe“-Modell, das aktuell in der Software-Industrie für Gesprächsstoff sorgt.

Freemium

Die Mischung aus „Free“ und „Premium“ ist seit den 1990er Jahren ein häufig genutzter Ansatz von Online-Services und Software-Produkten geworden. Seine Kernmessage: „Biete deinen Dienst gratis an, möglicherweise mit Werbeeinblendungen oder vielleicht auch nicht, gewinne viele Kunden auf effiziente Weise durch Mundpropaganda, Werbepartner, Platzierung in Suchmaschinen und so weiter, und biete dann deinem Kundenstamm zu einem Aufpreis Zusatzleistungen oder eine erweiterte Version deines Dienstes an.“ (Fred Wilson). Der Vorteil für den Kunden bzw. den User: Er kann sich das Produkt risikofrei anschauen, testen und in Kernfunktionalitäten kostenfrei nutzen. Weitere Funktionen können oftmals frei buchbar hinzugeschaltet werden.

Denkt man an Plattformen wie die CMS-Lösung WordPress, zeigt sich, dass es auch eine Variante gibt, in der die Software an sich frei bzw. als Open Source angeboten wird. Die Services drumherum (Hosting usw.) werden dann als Premium angeboten. Der Vorteil des Freemium-Modells liegt sicher darin, dass so eine große Reichweite erzielt und eine Community an Nutzern und sogar Funktionsanbietern aufgebaut werden kann. Ein potentieller Nachteil ist darin zu sehen, dass die vergleichbar wenigen zahlenden Kunden die nicht-zahlenden Nutzer mitfinanzieren müssen (aber sie erhalten dafür hohe Investitionssicherheit).

Fazit: Bedingt CC-kompatibel

Genossenschaft

Genossenschaft klingt erst einmal eher alt und langweilig. Tatsächlich ist diese Form von Zusammenschlüssen aber bis heute sehr erfolgreich. Alleine in Deutschland gibt es ca. 7600 Genossenschaften mit rund 20 Millionen Mitgliedern, in Europa sind es sogar 300.000 Genossenschaften mit mehr als 140 Millionen Mitgliedern. In der Schweiz sind große Einzelhandelsketten wie Migros und Coop genossenschaftlich organisiert, in Deutschland Unternehmen wie die Volksbanken Raiffeisenbanken oder im IT-Bereich die Registrierungsstelle der de-Domains (DENIC) und die DATEV eG.

Besonders letzterer Fall ist spannend: 1966 von 65 Steuerberatern gegründet, ist die DATEV heute mit ca. 40.000 Genossen und beinahe 1 Mrd. Euro Umsatz eines der größten Softwarehäuser in Deutschland geworden. Das Modell „Software von Steuerberatern für Steuerberater“ funktioniert scheinbar sehr gut: DATEV hat in seinem Segment einen Marktanteil von ca. 75 Prozent. Die Genossen, ausschließlich Angehörige der steuerberatenden, wirtschaftsprüfenden und rechtsberatenden Berufe, können dabei bei der Produktausrichtung sowie berufspolitischen Fragestellungen mitbestimmen.

Fazit: CC-kompatibel

SmartWe

Bei Produkten mit geringen Grenzkosten, so wie das bei Software der Fall ist, könnte man ein sehr flexibles Modell fahren: Kunden zu Miteigentümern zu machen und eigene Profite freiwillig selbst zu beschränken. Genau das hat die CAS Software AG mit Ihrer neuen Plattform „SmartWe“ vorgestellt (Berichte von Wired und Computerwoche). Ein revolutionärer Ansatz?

In gewisser Weise wohl schon! Hier kurz zusammengefasst: 1. Das Unternehmen gehört den Nutzern. Jeder aktive Kunde, Partner und Mitarbeiter kann einen Anteil an der Aktiengesellschaft erwerben. Hierbei gilt ein Limit von 1% Teilhabe, um Großkunden nicht auch zu Großaktionären zu machen. Die Idee: Die Macht soll gleichmäßig auf die Community übergehen. Das Genossenschaftsmodell wird also insgesamt ähnlich in einer AG abgebildet. 2. Der Preis der Software sinkt, je mehr Kunden sie hat. Der Gewinn des Herstellers wird auf 10% beschränkt, der Rest wird an die Eigentümer (d.h. die Nutzer) in Form geringerer Lizenzpreise zurückgegeben.

Vergleichbar ist dieses Modell also wohl am ehesten mit einer Genossenschaft, die Gewinne wieder ausschüttet. Auf diese Weise entsteht eine Win-Win-Situation – ist der Kunde zufrieden, bringt er sich ein, empfiehlt weiter und profitiert hiervon. Gleichzeitig könnte dieses Modell ein „scharfes Schwert“ gegen vorherrschende Plattform-Modelle sein, die mit Risikokapital (vor)finanziert sind. Diese müssen aufgrund Ihrer Kapitalgeber mittelfristig auf Gewinnmaximierung (auf Kosten der Kunden) ausgelegt sein. Wenn man dies z.B. als deutscher Mittelständler nicht ist, könnte man mit SmartWe ein neues, kundenfreundlicheres Geschäftsmodell anbieten…

Fazit: CC-kompatibel & CC-unterstützend

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *