Buchbesprechung: „WeQ – More than IQ“

Geht es nach dem renommierten Zukunftsforscher Peter Spiegel, dann befinden wir uns vor einer bedeutenden Kulturwende. War das 20. Jahrhundert noch von einer Ich-Kultur-bestimmt, wird das 21. Jahrhundert von einem Megatrend geprägt sein, den die Zukunftsforscher „WeQ“ nennen.

Auch wenn es gegenwärtig nicht auf den ersten Blick so scheint, werden nach und nach unser Denken und Handeln von einer übergreifenden Wir-Kultur beeinflusst sein, so die Forscher. Soziale Innovationen und ungewöhnliche Geschäftsideen werden unser Zusammenleben global verändern. Dabei handelt sich um eine Wir-Kultur, die den Einzelnen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Vorboten dieser Wir-Kultur sind die sozialen Medien, die bereits das Teilen von Inhalten zum Grundprinzip unserer täglichen Kommunikation gemacht haben.

In seinem Buch „WeQ – More than IQ“ (oekom verlag München, 2015, 12,95 EUR) stellt Peter Spiegel seine Beobachtungen und Prognosen im Detail vor. Vor allem der erste Teil des Werks ist spannend, in denen er auf die sichtbaren Zeichen des WeQ-Trends und den Faktor „menschliches Potential“ eingeht. Ein Auszug:

„Das Brockhaus-Zeitalter wurde durch jenes von Wikipedia abgelöst. Die neue Weltenzyklopädie Wikipedia wird täglich verbessert und fortgeschrieben durch Tausende Freiwillige und Ehrenamtliche, die die Macht über das Weltwissen der traditionellen elitären Intelligenz entrissen und kollektiver und demokratischer Intelligenz zugeführt haben. Wikipedia steht für die WeQ-Revolution der Wissenswelt…“

Dem Autor geht es – und hier ist die Verbindung zu Customer Centricity – um eine Wir-Orientierung, um Beteiligung von Stakeholdern, um Co-Creation und Co-Laboration. In gewisser Weise beschreibt er also eine Übertragung des aus der Software-Entwicklung stammenden Open-Source-Gedankens von „gemeinsam geschaffenen Gemeingütern“ in die Breite.

Das ist natürlich ambitioniert und erfordert eine Umstellung, insbesondere in den Köpfen: weg vom „Ich“, hin zum „Wir“. Dennoch geschieht das in Teilen bereits heute. So weist Spiegel z.B. auf das Genossenschaftsmodell hin, in dem ca. 250 Millionen Menschen weltweit ihr Einkommen erarbeiten. Also: „WeQ“ ist keine Träumerei, sondern skizziert einen möglichen Entwicklungsschritt für die Menschheit. Definitiv ein gelungener Zum-Nachdenken-Anreger.

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